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RaderRocholl

Hauptband

Die Stammfolge von den Anfängen bis 1936
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Erkannter Text Seite 32 und 33

Maschinell aus dem Scan gelesen. Fraktur wird nie fehlerfrei erkannt — zum Auffinden gedacht, nicht zum Zitieren.

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Frühgeschichte **)

Um einen festen Bau aufführen zu können, müssen seine Grundpfeiler
genau geprüft werden, -- Die ersten Nachrichten über die Familie Rocholl
stammen nicht au8 Kirchenbüchern, sondern aus anderen sehr mannigfaltigen
Quellen, deren Ergebnisse verschiedentlich ineinander greifen. Ihre Behandlung im Rahmen der eigentlichen Stammfolge, in der das Datengerippe erscheint, würde verwirrend und unübersichtlih gewirkt haben und war daher
nicht angängig. Zur klaren Einführung in die ersten Geschehnisse der Familie
erfolgt diese Vorbetrachtung, in der die ältesten Urkunden untersucht und auch
Ort3- und Zeitgeschehen gestreift werden.

Diese Vorbetrachtung beschränkt sich auf die ersten zwei bis drei Geschlechterreiben nach dem Ur-Peter, abgesehen von kleinen Abweichungen, wo es
geboten erschien, noch weiter zu gehen. -- Im Anschluß hieran folgt wegen der
NamenSähnlichkeit mit Rocholls8 berg eine kurze Besprechung dieser Familie.

Radevormwald**)
war Ende des 16. Jahrhunderts ein kleines, abseit3 der großen Verkehrsftraße
gelegenes Landstädtchen mit gewerblichem Cinschlag. (3 hatte rund 3000 Einwohner, davon etwa ein Drittel bis zwei Fünftel innerhalb der Stadtgemeinde
einschließlich der Stadtpfähle. Neben den üblichen Handwerkssberufen, derein
Entstehung ein städtisches Gemeinwesen mit anliegender Landwirtschaft mit
sich bringt, waren die Herstellung und das Färben von Tuchen bemerkenswert.

Im Jahre 1591 hatte der Pfarrer Adolph Sundermann die Reformation (nach Calvin) in Rade eingeführt. Mit dem Ausbruch des 30 jährigen Krieges begann für die Stadt eine sehr harte Zeit"). = In diesem Zu=-
fjammenhang sei erwähnt, daß sich die lutherische Gemeinde erst 1707 in Rade
bildete, die altlutherische in neuerer Zeit. -- Sundermann wie sein AmtS8bruder Arnold Bolli weigerten sich, ihr Bekenntnis zu widerrufen, wurden
nacheinander*) verschleppt und mußten einen qualvollen Märtyrertod erleiden.
Das gleiche Schiksal ist auch einem Kirchhmeister widerfahren. Die Kirche
wurde den Reformierten, obwohl sie in Rade die Überhand hatten, abgenommen
und erst drei Jahre nach Beendigung des Krieges, am Palmsonntag 1651,

382) Vgl. Bildtafel 5.

36b) Vgl. Bildtafel 4.

37) Vgl. die ergreifenden Schilderungen über vie Vorgänge in Rade bi8 zur Beendigung
des 30jährigen Krieges in „Geschichte der ev. ref. Gem. zu Nadevormwald. Zur Feier ihrer
vor 300 Jahren erfolgten Stiftung“ von Pastor Paul Kind, gedruckt von F. W. Förster
in Rade, 1891.

38) Pollich 1626, Sundermann 1629.

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12 Frühgeschichte (Ur-Peter)

wieder zurücgegeben. Im Westfälischen Frieden vom 24. 10. 1648 war vereinbart worden, daß diejenigen, welche die Kirche 1624 innegehabt hatten, sie

behalten sollten. Das waren in Rade die Reformierten gewesen, wie durch

beeidete3 Zeugnis von angesehenen und vertrauenswürdigen Rader Bürgern,

die die Wirrsale des Krieges erlebt hatten, bekundet wurde. Unter den Vernommenen befanden sich auch die drei Brüder Peter (Sohn), Gottschalf und

Adolph Rocholl1*).

Der Vater des Ur-Peter

Die älteste Nachricht über einen Rocholl!l in Rade stammt aus den
Jahren 1590 und 1591") und betrifft den Ur-Peter und nicht seinen Vater.
Erst eine spätere Meldung von 1599*) gibt einen Hinweis über den Vater
„Mullervor der Brugge zu Bienb:“ (= Beyenburg). Ob ex bereits
Rocholl hieß, ist mindestens zweifelhaft; der Sohn führte den Namen als
Familiennamen jedenfalls sicher. Die Familiennamen kamen in jener Zeit
erst auf und bildeten sich aus den verschiedensten Ursachen*). Die Bezeichnung
„PWuller vor der Brugge“ deutet in erster Linie darauf hin, daß der Vater
Müller vor der Brücke zu Beyenburg war. In der Urkfundensammlung der
Familie Rocholl befinden sih Briefwechsel und AuSszüge über die Feststellungen der Beyenburger Mühlen und ihrer Besitzer, aus denen sich aber bi8lang keine festen Ergebnisse ableiten ließen. Der Vater könnte auch Müller
geheißen haben nach seinem Beruf, doch läßt sich darüber nichts Sicheres sagen,
da über ihn sonst nicht3 bekannt geworden ist. Jedenfalls ist er -- leider ohne
überlieferten Vornamen = als Stammpater der Familie unter der Bezeihnung „Muller vor der Brugge zu Bienb.“ anzusehen. Nach
der Urfunde hat er offenbar 1599 noch gelebt, und er könnte, wenn man 1565
als Geburtssjahr des Ur-Peter ansetzt, um 1535 geboren worden sein.

Der Ur-Peter*)

Nach dem Vorangegangenen dürfte seine Wiege nicht in Rade gestanden
haben, sondern in Beyenburg. Ex siedelte sich in Rade an und ist der erste
befannt gewordene Träger des Familiennamens Überhaupt.

Bei den bereits erwähnten beiden ersten Vorgängen vom 19. 2. 1590 und
17. 6. 1591“) handelt es sich um einen Rechtöstreit über ein Grundstück des
Ur-Peier, wobei sich als sein Widersacher „Clas im Garterhauß“*)
erweist. Ob dieser damals schon sein Schwager war oder es erst später wurde,
ist allerdings fraglich. Aus den Urkunden geht zum mindesten hervor, daß der
Ur-Peter neben einem Grundeigentümer mit Namen Rochollsberg ein

39) Vgl. Anh. Nr. 15 und 16.

20) Vgl. Anh. Nr. 4.

21) Vgl. Bildtafel 5, Abschrift davon Anh. Nr. 6.

22) Vgl. „Allgemeines“ unter 2 „Namen“.

43) Vgl. Bildtafel 6 die gleichnamige Übersicht.

44) Vgl. Anh. Nr. 4.

45) wie aus späteren Nachrichten hervorgeht, sein Schwager.

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