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RaderRocholl

Anhang

Ergänzungen, Urkunden und Nachträge
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Erkannter Text Seite 56 und 57

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kannt vorfommen werden. Und sie mögen sich erinnern, daß fie dieselben Züge an

einem alten würdigen Herrn gewahrten, der auf der Straße immer im Cylinder

umd hoch zugeknöpftem schwarzen Ro> rüstig einhershritt. Und mancher wußte es,

da3 ist der Kirchenrat No hol1l. Und wer ihn kannte, freute sich seiner Begrüßung.

Denn e8 lag eine seltene Würde und Anmut, Kraft und geistige Bedeutung auf

seinem Antliß. Und e8 war in der Tat eine Persönlichkeit, die vollste Beachtung

verdiente. So mag es am hundertsten Geburtsstag dieses Mannes am Plaße sein,

etwas von seinem Wesen und Wirken zu hören.

(C5 folgen seine Lebenssbeschreibung und zum Schluß die nachstehenden Absäße.)

Dem literarischen Schaffen, das ihm auch während seiner Tätigkeit als Pfarrer
immer Bedürfnis gewesen war, konnte er sich jezt (im Ruhestande) fast ausschließlich widmen. Er hatte seine Gaben fleißig in den Dienst der Jdeen gestellt,
die ihn in seinem Wirken als Pfarrer und Kirchenmann leiteten. Zahlreiche Aufsäße in Zeitschriften, Vorträge und Denkschriften legen davon Zeugnis ab, Aber
seine schhriftstellerische Tätigkeit war damit bei weitem nicht erschöpft. Sowohl Philosophie wie Geschichte hatten ihn wiederholt zu eigenem Schaffen veranlaßt. So hatte
er sI9on 1860 den bekannten Theologen und Dr. phil. Nicolai und 1864 den
Grafen Wolrad von Walde> biographisch behandelt, und 1878 veröffentlichte
er den ersten Band einer Philosophie der Geschichte, dem er dann als Emeritus 1893
den zweiten folgen ließ. Auch sein Buch über Abt Ruppert von Deuß (1866) war
eine bedeutende historische Leistung. Und in den Jahren, da er hier in Düsseldorf
lebte, konnte er diesen Werken noch manches weitere folgen lassen. Er vollendete
nicht nur seine Philosophie der Geschichte und seine viel gepriesene Selbstbiographie
„Einsame Wege“, sondern er Ichhrieb auch eine Geschihte der evangelischen Kirche
(1897) und schließlich außer manchem anderen noh 1904, angeregt durch eine Reise,
die er als 80jähriger nach Italien und Konstantinopel unternahm, eine wertvolle
Monographie über den Kardinal Bessarion, eine Studie zur Geschichte der
Renaissance. E38 war das leßte Werk, das er veröffentlichte, denn am 26. 11. 1905
folgte er seiner treuen Lebensgefährtin in den Tod nach.

Rocholl war, wie sein Biograph Hübner mit Recht sagt, „eine aussgesprochene
Künstlernatur von starker Intuition, auserlesenem Geschmac> und blühender Phantasie“. „Alles Irdische war ihm ein Gleichni3 und das Himmlische eine Welt der
Realitäten“. Als Schriftsteller wird er immer einen besonderen Plaß einnehmen.
Seine „Einsamen Wege“ und sein „Christophoru38“, der viele Auflagen erlebte,
spiegeln seine Bersönlichkfeit, die Art seines Denkens und Fühlen3 ungemein charakteristisch wieder. Immer ist seine Sprache männlich und stark, originell und edel,
und seine Darstellung voll Frische und Gemütstiefe. Wer aber das Glüc> hatte, ihm
persönlich näher zu treten, wird die wunderbare Mischung von tiefem Ernst und
kindlicher Heiterkeit seines Wesens nie vergessen.

Nr. 40
Hermann Rocholl (St.f. VI 62)
a) Seine Erlebnisse während der Märzunruhen 1848 zu Berlin, veröffentlicht im
Pflügerblatt (Halle) Nr. 5, am 15, 11. 1905:

„Meine freundlichen Beziehungen zum Kellerschen Hause bestanden in Berlin

fort. So war ich zufällig am 18. 3. 1848 dort zu Gaste, al3 die Revolution losbrach

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und grade vor dem Hause Keller3 in der Beusselstraße eine Barrikade errichtet wurde.
Gegen 5 Uhr schhnallten wir beiden Männer (er und sein Freund Keller) uns
Säbel um und gingen unter da3 Volk. Sehr bald fanden wir auch Gelegenheit, in
der Oberwallstraße einen StabBsoffizier aus den Händen des Röbel3 zu befreien,
wobei Keller sich al8 Patriot und vorzüglicher Volksredner bewährte. Am Tage
darauf iwvard ich an die Spitze einer 25 Wann siarken Siudentenrotte gestellt, der
ich den Namen „Fürdcte nicht“ beilegte. Mit dieser habe ich dann regelmäßig drei
Wochen lang Wachdienste geleistet, und dabei viel Interessante3 erlebt. So hatte
meine Rotte grade die Hauptwache unter den Linden inne, als Friedrich Wilhelm IV.
seinen Umritt mit der schwarz-rot-goldenen Fahne hielt. Al3 wir nicht lange danach
zusammen mit anderen Notten im Schweizer Saal des königlichen Schloßes lagen,
erschien um 5 Uhr Nachmittag der König mit dem Kriegsminister, um uns zu inspizieren, und wechselte hierbei mit jedem Einzelnen von un38 freundliche Worte.
Der Kriegsminister unterwies un3 mittlerweise in den Griffen de8 Präfsentieren3,
von venen die meisten von uns keine Ahnung hatten.

b) Auszug aus seiner Lebensbeschreibung über den Krieg 1866:

Ich erhielt den speziellen Auftrag, mit vorhandenen und noch eingehenden
Nachrichten die Stärke und Aufstellung der österreichischen Armee in Böhmen festzustellen. Die Kenntnis de8 Lande3, die ich auf der Fußreise 1845 erworben hatte,
kam mir dabei zustatten. Ich löste die Aufgabe, soweit: e8 möglich war, und hatte
die Ehre, dem Generalfeldmarschhal von Moltke am Tage vor dem Aufbruch
des großen Hauptquartiers in Gegenwart meines Abteilungs8chef8 Oberst Schröder,
einen halbstündigen Vortrag an Hand der Karte von Böhmen zu halten, den er
Ichweigend anhörte, und wozu er nichts weiter äußerte, al8: „Ich danke Ihnen.“
Als ich hernach den Oberst Schröder fragte, wie e8 gewesen sei, sagte er mir:
„E3 war ganz gut, der General wußte das alles weit besser als wir, und wollte sich
nur überzeugen, wa8 wir denn wüßten.“ Während de3 Krieges waren ich und
5 Kameraden, 1 General, 1 Oberst, 1 Hauptmann und 2 Leutnant3 die einzigsten
Offiziere in Berlin, und wir waren auf der Straße, vornehmlich unter den Linden,
stet8 von einer großen Menschenmenge umringt, die die neueslen Kriegsnachhrichken
hören wollten. -- Nach der Rückkehr des großen Generalfiabes im September 1866
gaben wir unter 70 Herren dem siegreichen Feldmarschall ein Fest im Petersburger
Hof, unter den Linden, bei welchem der einzigste Toast von ihm mit den Worten
ausgebracht wurde: „Meine Herren, Seine Majestät, Hoch!“

e) Verse, mit denen Hermann Rocholl nach Wiederherstelung von seinem Unfall in
der Heimat begrüßt wurde, und die ihm an seinem Grabe erneut nachgerufen wurden:

Westfäl' scher Eiche gleich, urkräft'gen Kerne

Entsprossen, die von Jugend auf gar gerne

Ertrug das wilde Spiel der Stürm' und Bliße,

Die, ob auh Felösturz jäh ihr Äste schliße,

Ob Zweig um Zweiglein auch herniedersplittern,

Im tiefsten Marke fest bleibt ohne Zittern,

Da38 Haupt frei tragend auf dem riß'gen Stamme,

Troß manchem Abbruch, mancher harten Shramme:

So standen einst Sie auf dem festen Grunde,

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