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RaderRocholl

Anhang

Ergänzungen, Urkunden und Nachträge
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Erkannter Text Seite 60 und 61

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332 Anhang Nr. 43

Über die Treue, den Fleiß, die Umsicht und die Zuvorkommenheit, womit Herr
No Holl seinen Pflichten stet3 obgelegen hat, bedarf e8 kaum vieler Worte; sie sind
allgemein bekannt und haben stet3 die ihnen gebührende Anerkennung gefunden, so
daß dem Herrn No ch oll allseitig die besten Zeugnisse zur Seite stehen.

Die Stadtverordneten-Versammlung erkennt e3 als einen Akt der Dankbarkeit,
wenn sie den einstimmigen Beschluß faßt, das Gehalt des Herrn Jubilar3 vom
3. August dieses Jahres durch eine persönliche Zulage von 100 Thalern pro Anno
zu erhöhen.

Sodann wünscht dieselbe, daß dieser Ehrentag für Herrn No chh oll durch ein
Abendessen festlich begangen werde.

Um die desfallsigen Einleitungen zu treffen und demnächst fesien Beschluß zu
fassen, wählt da38 Collegium die Herren

Beigeordneter Barthels,
Stadtverordneten Auffermann,
Dahl, Dicke und Erbsl5öh
zu Comite-Mitgliedern und sieht den betreffenden Vorschlägen entgegen.
V. g. U. U.
(Folgen die Unterschriften.)
Für die Richtigkeit vorstehenden Ausszuges3
der Ober-Bürgermeister
gez, Bredt,
Nr. 43
Brief des Louis Rocholl (St.f. VU 12 4) vom 29.5.1865 an seinen
Bruder Wilhelm Rocholl (St.f. VU13) über seine Eindrücke in Rade

... So begaben wir un3 am Nachmittag -- statt west --- füdwärt3 in8 Bergische
auf die Tour, von der wir heute Mittag heimkehrten, und ih Dir nun plaudern muß.
(4. Abs.) Auf der Höhe hinter Schhwelm wies der Vetter (Richard,
St.f. IX 51) auf die hinter dem Horizont blauer Bergzüge ragenden Turmspißen als
die Stätte unserer Väter hin. Eine anmutige Wanderung bergauf und bergab,
zwischen Wiesen und Busch, brachte un38, al38 eben der Sabbatabend seine feierliche
Rube über die Erde gebreitet und die Strahlen der sinkenden Sonne herrlich im
Waldgezweig spielten, während der saftige, blumenreiche Wiesengrund sich schon
feuchtete, und eine maibadende Kinderschar die einzige Staffage in dieser Abgeschiedenheit war, auf die lezte Anhöhe empor, und ans Ziel unserer Wanderung.
Der von stattlihen Kirchtürmen überragte Ort lag, einem dunklen Eichholz im
Vordergrund entsteigend, den langen Bergrücken krönend, im Abendschein überaus
malerisch da; und nun eben klingt das volle Geläut von den Türmen zusammen;
es war ein ganz erhebender Schluß unserer Wanderung. Nach den zahlreichen
Kirchen hätte man eine große Stadt erwartet; sie verdanken indessen ihre Ent=-

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stehung vielmehr der zahlreichen Umwohnerschaft und konfessioneller Zerfahrenheit;
und man findet ein kleines still Oertchen von etwa 1*/2 Tausend Cinwohnern nur.
Dur ein Hinterpförtchen traten wir in da3 elterliche Hau3 des Vetter8, grad in
eine munter belebte Kinderstube ein; beim Alten war uns ein freundlich-bürgerlicher
Empfang; und nachdem wir uns begrüßt umd restauriert, promenierten wir durch
die saubere, enggebaute Straße zu dem ganz hübsch angelegten Sommer- und
Wirtschaftslokal, dem Hölterhof hinau8; wo das still lebende Völkchen bei Bier
und Kegelschieben, im Blumengarten oder Waldesschhattet. seine Sommerabende verbringt. Nun war die Gesellschaft bereit3 heim, nur im Halbdunkel saß nochh ein
Paar beisammen; ein Vetter Wilhelm N o ch oll (IX 44) mit feiner sächsischen Gattin
war3; auch in jener Straße war ich schon hie und da auf ein Nocholl-Haus hingewiesen; der Hölterhof hier stellte nun den vormaligen Stammsit dar. Der
Nocholsberg, vor Rade dagegen, den ich mir als antikes Gut, etwa mit Graben und
Schloßgemäuer, vorgestellt, erwies sic als eine am Berghang gelegene Gruppe
Schmiedewohnungen nur, und wußte man nicht8 von einem hiesigen früheren
Familiensiß. Bei unserer Heimkehr trafen wir auch des Hause8 weibliche Bewohner,
von ihren zwei Visiten in der Verwandtschaft heimgekehrt. Unter den trefflichen
Leuten fühlte ich mich ganz zu Saus, al8 Richard mich in8 Nebenhaus hinüber zum
hier aufgeschlagenen Nachtquartier brachte.

(2. Abs.) Der Sonntag nun war der Bekanntschaft de3 Ortes wie der Familie
bestimmt. Eine Frühwanderung ging, den nun stadtwärts strömenden Kirchgäugern
entgegen, auf den nahen Telegraphenberg, der einen freien Nundblick auf dies
ganze Stüc> bergischen Lande3 bot. Auf der Erhebung senseit8 der Wupper ganz
deutlich Lennep, sonst Busch und Bergzüge ringösum mit vereinzelten Häusern und
Turmspizen nur. Der Ort, 1400 Fuß hoch und wasserarm, ist 1802 von einer
Feuersbrunst binnen 2 Stunden vollig in Asche gelegt; die Bewohner haben kaum
die Zeit gefunden, sich aus der heißen, stifenden Stadtmauerumgürtung durch die
zwei einzigen Ausgangstore ins Freie zu retten, ohne auch nur da8 Mindeste an
Habe zu bergen. Man begreift da den Jammer und die Verzweiflung; unter Zelten
haben sie kampiert, von Mülheim die erste Brotzufuhr erhalten, danach wieder die
alten Kellerstätten unterm Schutt aufgesucht, wo sie den nahenden, hier nicht
spaßenden Winter sich geborgen haben, bis die Stadt in neuer, geregelter Form
sich wieder erhob, und die Bürger aufs Neue anfingen, fich eine Existenz zu schaffen;
denn der Brand hatte so zu sagen jeden zum Bettler = nur mit unterschiedlichen
Gaben und Connexionen -- gemacht. Mit besserem Grunde möchte man schließlich
der grausen Feuersbrunft ein Denkmal stiften, wären nur nicht die nun von keiner
Stadtmauer mehr beengten Häuser leider wie eine Schafherde aufeinander gedrängt,
sodaß ein Hof- und Gartenraum nun fast allen Wohnungen fehlt. Uebrigen3 trägt
die meist schieferbefleidete oder gebälfte zweistöckige Häuserzeile noch ganz das
Gepräge gleichzeitigen Auferstehens. Die mächtigen Kirchen sind aus holländischen
Collektengeldern auferbaut. Land und Laute, Sprache und Benennungen waren
ganz Hagener Art, wie denn aud) Kleineisenindustrie die Hauptnahrung ist. Nur
die Lenneper Tuchfabriken an der Wupper unten hatten ihre Arbeiterbevölkerung
meist auf Rader Gebiet angesiedelt, daher auch die 500?/o der Staat3- betragende
Communalsteuer!

(3. Abs.) Die Bevölkerung denkt noch mit Verlangen an die steuer- und militärleichte bairische, dann reformatorische französische Herrschaft zurück, ist dem nachfolgenden Preußen-Negiment wenig hold und volkszeitung3-gesinnt. Vor Alters,

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