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RaderRocholl

Anhang

Ergänzungen, Urkunden und Nachträge
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Erkannter Text Seite 62 und 63

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da der Ort seinen Namen: Vorm Wolde, noch mit mehrerem Recht führte -- denn
ein Waldesdickicht dehnte sich „bi8 gegen Frankfurt“ hinaus -- haben sie hinter ihrer
Mauer- und Grabenwehr das Metier Schnapphansski38 geübt, den friedlichen Kaufmann um seine Geldkaße und Warenladung erleichtert; hoffentlich haben da der
Gesellschaft unsere Väter noch nicht angehört, deren Geschichte hier freilich --- nach
der Familientradition -- gar mit einem Jungfernraube beginnt. Ein Rocholl habe
durch feine Schönheit das Herz eines adligen Fräuleins gewonnen, sie den Eltern
entführt, dann --- in Pesteszeiten --, mit einem Handelspäcchen auf dem Nücen,
sich in Nade geseßt. Und Handel und Kaufmannschaft gilt denn als Familienmetier,
dem denn auch Vetter Richard 3 Familie angehört; al8 ein Familienzeichen gilt
denn auch: der Segen der Nachkommenschaft, hohe38 Lebenssalter und jener
„Rochollsiche Kopf“, der sich auch bei jener Brandtragödie recht tragisch gezeigt. Den
erwähnten Hölterhof besaß nämlich ein „Nichter Rocholl“ (Joh. Adolph --
St.f. V1128), der den abgebrannten Bruder (in Wirklichkeit Vetter), Richards
Großvater (Joh. Bernh. VII. 33), damal8 bei sich aufgenommen, bald aber mit
ihm also aneinandergeraten war, daß darau38 eine Feindschaft fürs38 Leben entsprungen; daß jener lieber in einer Breiterbude dem grimmen Winter Troß geboten, als beim Bruder, dem Richter, verharrt, der seinerseit3 wiederum mit Absicht
jenen Familienbesiß in fremde Hände gespielt und die vollständigen Familienurkunden -- der Brand hatte Kirchenbücher, Archive etc. vernichtet -- lieber den
Flammen preissgegeben, al8 den verhaßten Stammessgenossen hinterlassen hatte.

(4. Abs.) Da3 waren die Alten, jekt repräsentiert die hiesige Familie, von vielfachen Abzweigungen abgesehen, die Nachkommenschaft jene38 abgebrannten Bretterbüdner3, 3 Söhne und eine Tochter zwischen 60 und 80 Jahren und deren Descendenz; jene Söhne heißen Johann, Wilhelm, Ludwig (VU 34,36,38),
deren lekterer der Jüngste und Richar d 3 Vater ist. Dieser, Richard, geleitete
mich nun zu Onkel und Tante rund, alles wackere Bürgersleute und freundlichen
Entgegenfommen3 gegen BVetterschaft. Besonder3 jener Johannes, früher ein
Blechschläger, jekt in einem ganz netten Hauswefen mit seinen 77 Jahren ausruhend,
erwies eine liebenSwürdige Beredtsamkeit de38 Alters, zumal als auf jene Schre>en
de3 Brande3 die Rede kam. Ihre Kinder, meist erwachsen oder schon selbständig,
möchte man sämmtlich mit Freuden als Vettern u. Nichten begrüßen; als ein
Merkzeichen erwähne ich die hagre Gestalt und feinen Gesichtszüge, auchh ihre
RNaucherpassion, darum man meine Echtheit mal anzweifeln wollt. Der wacerste
Repräfentant blieb aber immer jener Ludwig (VU188), Richard 3 Vater und
Eisenhändler wie er. Er, wie auch jener Johann, rief mir gar lebhaft Onkel
Gerhard (VIB7) in die Erinnerung, ganz die Statur, ganz die =- nur feineren ---
Züge, ganz die Tätigkeit, dieses Frühauf, nur daß der eine sich als der gewandtere
und freisinnige Kaufmann, der andere als der eigenwillige patriotische Beamte und
Diener seine3 König3 erwies. Der Kinder hat er drei aus erster und acht aus
zweiter Ehe, darunter er mit seiner wackeren rüstigen Gattin so freundlich und
harmonisch haust, daß dieser hübsche Familienzirkel mir in freundlichster Erinnerung
steht. Die Kinderzucht hielt zwischen Strenge und Schwäche die schönste Mitte,
und die bürgerlihe Schlichtheit der Alten, der mehr weltliche Ton der erwachsenen
Töchter trat ergößlich hervor, als diese die Mutter nach der Visite neten, daß sie
dort einer fremden, deren Verwunderung nicht achtend, von ihre8 Mannes Shchmiede
gesprochen, während doch der Vater nicht Schmied, eher Fabrikant zu heißen sei.
Eine Stiefmutter und Stiefgeschwister hätte am wenigsten Jemand in diesem

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Kreise geahnt. Der nüchterne Kaufmann aber gab sich kund, als der Sohn dem
Vater einen Geldschhranf zum Kauf, zwar Tcherzend, auch vergeblich, anpries8, oder
die Mutter, in Hinbli> auf den künftigen Gewerbschulbesuch eines jüngeren Sohnes,
den Richard (RN. wohnte in Hagen) in natürlichster Unbefangenheit über die
Aufnahme de3 Bruder3 befragte: „Sag Richard, was willst Du dafür haben?“
worauf dieser : „O Mutter, darüber wollen wir uns schon verständigen,“ zur Antwort gab. -- Der Vater hatte auch auf seinen vielfachen Geschäft5reisen die Familie
-=-- in Kassel, Minden, Lippstadt, Soest, Bremen, Korbach, Wesel und wo sonst =
nie vergessen und bewahrte ein lebhaft Gedächimi8 und Interesse für sie. Auch
unsere3 Vaters erinnerte er sich, wenn er, da sie die Obstbäume im Garten attakierten, halb scherzend e8 nicht zu arg zu machen gedroht. So war es denn eine besonder3
ansprechende Situation, al8 wir nach aufgehobener Mittagstafel im Gesfellschaft3zimmer unsere Aufzeichnungen herbei holten und zusfammenhielten und unsere
Verwandtschaft -- auf 8 Grad Weite -- erkannten, und ich nun auch diesen Nader
Zweig in meine Tafel trug, zuleßt das Enkelchen Selma auch, die nun im fernsten
Gradezsabstand unter unserem 1380er Nockholzer Ritterschild stand; wobei die Frauen
scherzten, daß mit ihnen die Linie allemal abbrechen müßt. Der Alte aber erzählte
von seinem Großvater Bernhard (V115) noch, der erst Theologe, dann Holländischer Militär, dann Nader Kaufmann im väterlichen Geschäft, durch feine Verheiratung nach Westhofen gelangt sei, wo auch derzeit noch ein Zweig der Familie lebt.
(5. Abs.) Eine Sonntagnachmittag38-Familienwanderung in den Garten, wo wir
uns heiter plaudernd im Rasen lagerten, dann ein hübsches Konzert an jenam
Hölterbhof, wobei Dilettanten (auch ein Vetter-Flötensolist) mit einer 13brüdrigen!
Mufikantenzunft ähnlich den antiken Hauskapellen zusammenwirkten, dann ein Ball,
wo des Städtchens Honoratiorentum versammelt, und ich zwischen dem würdigen
Brüderpaare saß; und zähltest Du die etwa 12--15 Tänzerpaare durch, da waren =--
von sonstigen Verwandten abgesehen -- 5 Rocholler und 5 Rochollinnen, die sich
hier auf dem Boden ihrer Väter im Walzer drehten. Wir scherzten, wie die Familie
alles und selbst die Bälle an sich selber habe; und ein Hochzeitsfest hatte jüngst
65 Gäste als lauter Verwandte vereint. Also blüht dort der Stamm, der freilich
seine Zweige nun weiter treibt; und mir kamen die Rocholl-Brüder recht wie die
Respekt83perfonen der Gosellschaft vor, die wieder in freundschaftlich heiterem Tone
mit Jungen wie Alten verkehrten. So ging der Tag aufs Fröhlichste zu End,
und ich hat8 wieder dem Rocholl-Namen Dank, al8 wir heute Morgen von dieser
genußreichen „Jamilienexpedition“ heimkehrten, und hegte nur den einen Wunsch,
daß jenes gestern Abend auftauchende Projekt eines Rocholl-Tages seine Verwirk=
lichung fänd. Jch schlug Soest al8 passenden Mittelpunkt vor, die Nader Brüder
beharrten aber auf ihren Stamm- und Familiensih. Ja und lassens Sie uns
nur 8 Tage vorher wissen, fielen die andern Rader Herren ein, und wir alle halten
Ihnen die Quartiere bereit, -- Da fänden wir denn auch in der gewiß buntschekigen
Composition, wie unklug doch das gleichgültige Vorübergehen bei manchem Soester
RochoU-Vetter war; wir fühlten uns als die Enkel des einen Elternpaares8, und
indem wir das Gedächtnis der jekt auf dem Abgang stehenden Veteranenklasse zu
Hülfe nahmen, lebte eine jeßt fast erloschene Familienverbindung über das halbe
Vaterland aufs Neue auf.
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